Rezension

Das gelesene Zett

 ★★☆☆☆ 

Autor: Christian Gellner
Design: Christian Gellner
Jahr: 2008
Verlag: Niggli
Seiten: 175
Sprache: Deutsch
Schrift: Didot
Format: 23,4 × 16,6 × 2 cm

Zwar empfinde ich die Gestaltung des Covers als ungeeignet, weil sich auf dem Schwarz sofort fettige Fingerabdrücke abzeichnen, aber der interessante Satzspiegel und die typographischen Spielereien wirken sehr ansprechend. Beim Lesen fällt es allerdings störend auf, dass auf Ligaturen verzichtet wurde.

Nach einigen Seiten Buchstabenmustern beginnt die Geschichte, mit der ich nicht ganz zurechtkomme. Zunächst denke ich bei dem albernen Text an ein humorvolles Märchen für typografisch interssierte Kids. Aber spätestens bei den Zitaten von Umberto Ecco macht das Alter der Zielgruppe einen gewaltigen Satz. Außerdem kann ich keinen zusammenhängenden Handlungsstrang über die Kapitel hinweg erkennen. Ich kann weder über die Zeitschneckenforschung lachen, noch über die zum Teil erzwungenen Typospielereien. Weshalb also diese seltsam fiktionale Geschichte? Den einzelnen Buchstaben werden Persönlichkeit und Gefühle zugeschrieben und sie wollen sich bewegen. Doch weshalb quetscht man dafür Didot in den Blocksatz? Ich vermute, dass das Buch darauf hinweisen will, dass der Leser den Buchstaben vor lauter Wörtern nicht sieht, aber wie gesagt, so wirklich verstanden habe ich den Text nicht. Wenn hier jemand mehr Ahnung hat als ich, bitte kläre mich auf!

Als etwas Lustiges über Buchstaben empfehle ich From Cow to Typewriter und für bewussteres Lesen und Setzen While You’re Reading.

Fazit: Schmeckt nach versalzener Buchstabensuppe, gekocht von einem außerirdischen Astrophysiker.

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