Rezension

Die Aktivität des Lesens

 ★★☆☆☆ 


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Autor: Stephanie Kaplan
Verlag: Stephanie Kaplan
Jahr: 2007
Sprache: Deutsch
Seiten: 196
Format: 20,8 × 14,2 × 2,6 cm
Bekömmlichkeit: Trennkost

Dieses kleine Buch fällt sofort durch den extrem festen, roten Leinendeckel mit Prägedruck auf. Obwohl das Cover statt mit einem Titel nur mit weißen Balken bedacht ist (oder gerade deshalb), klingelt bei mir sofort die Typo-Glocke. Mit größten Erwartungen schlage ich das Buch auf und treffe auf einen seltsam gestalteten, herausgebrochenen Vorsatz und ein paar Seiten Leseanweisungen. In der Nähe des schön ausführlichen Impressums suche ich vergeblich nach einem Inhaltsverzeichnis. Dann eben Seite für Seite. Bis Seite 126 blättert man sich rasch durch illustrative Typoexperimente, bei denen man sein eigenes Leseverhalten testen kann. Hier vermisse ich ein paar erklärende Texte, denn ich möchte nicht bei jeder Seite in den Anhang blättern. Nun beginnt das “Assoziative Lexikon”, das ich eher assozial als assoziativ finde, denn hier vergeht mir der Lesespaß. Es handelt sich um eine alphabetisch geordnete Sammlung von Begriffen aus der Lesetypografie und Semiotik, ergänzt durch Zitate, die etwa zwei Drittel des normalen Textblocks zerquetschen. Besonders unangenehm lesen sich die aufgeführten Biografien in Pixelschrift und für die willkürlichen Abkürzungen wie “L.” für Lautschrift und “B’en” für Biblitheken fehlt mir völlig das Verständnis. Übrigens nimmt die Anzahl der Abkürzungen gegen Ende des Buches deutlich ab. Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, welche Funktion dieses Lexikon hat. Für lineares Lesen fehlen Ordnung und entsprechender Schreibstil. Allerdings kann ich hier auch schlecht informierendes Lesen anwenden, weil die Texte nicht sehr übersichtlich sind. Folglich funktioniert das Buch für mich nur mit hin‑ und herblättern. Wären die schönen Beispiele direkt mit den Texten versehen wären sich ein paar mehr Sternchen herausgesprungen. Die letzte Seite verrät schließlich, dass es sich um eine Diplomarbeit an der FH Mainz handelt. Eventuell ist das auch der Grund, weshalb der freie, praktische Teil der Arbeit so radikal vom theoretischen Text getrennt ist.

In diesem Zusammenhang sollte man sich vielleicht eine Diplomarbeit von der HfG Schwäbisch Gmünd ansehen, die bis auf die Farbe diesem Buch zum verwechseln ähnlich sieht.

Nicole Schwarz: Leseprobe
Stefanie Kaplan: Die Aktiviät des Lesens

Fazit: Ein Schmuckstück für jedes Bücherregal. Wer auch etwas über Lesevorgang und –typografie lernen möchte, holt sich besser Gerard Unger.

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