Rezension

die welt als entwurf

 ★★★★☆ 

Autor: Otl Aicher
Verlag: Ernst & Sohn
Jahr: 1991
Sprache: Deutsch
Schrift: Rotis sans serif
Seiten: 200
Format: 21,9 × 14,7 × 2,2 cm

In einer Welt, in der nur ästhetische Hüllen von Wert sind, der Staat alles und vor allem die Architektur in Regeln für Prestige zwingt und Tätigkeit und Zweck von Zwängen und Stilen in den Hintergrund gedrängt werden, äußert Aicher seinen Unmut. Er bezieht sich dabei stark auf seine praktischen Tätigkeitsfelder als Grafikdesigner und Designberater. Seine Statements scheinen immer noch revolutionär und visionär und tatsächlich hat sich in den letzten zwanzig Jahren kaum etwas in unserer Gesellschaft verändert. Die Forderung nach entwerferischem Denken ist aktueller und legitimer denn je.
Etwas enntäuschend ist der extrem subjektive Argumentationsstil Aichers, der beständig von einem Thema zum anderen springt und an Leserbriefe in der Lokalpresse erinnert. Zudem hätte ich mir bei diesem Titel gewünscht, dass er auf das Entwerfen an sich eingeht und nicht nur auf dessen Kontext und Potential. So endet der Text eher bei einer politischen und sozialkritischen Hetze als bei Designtheorie. Dennoch reißt er viele wichtige und designrelevante Punkte an, wie etwa die Lehrprinzipien der Ulmer Schule, für die sich die Lektüre allemal lohnt.

Fazit: Ein wilder Haufen von Kritik und Visionen.

der entwurf ist das erzeugen von welt. er entsteht dort, wo theorie und praxis aufeinanderstoßen. sie heben sich dann nicht gegenseitig auf. sie finden ihre entfaltung.

otl aicher
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